5 Lektionen aus dem Aufbau eines Mikro-Startups

14.02.2015

Du fragst dich wahrscheinlich, was ein „Mikro-Startup“ sein soll. Wir nennen Kittysplit ein Mikro-Startup, weil wir keine Finanzierung haben und (noch) kein Geld verdienen. Es gibt keine Investoren, die regelmäßig Updates sehen wollen, und keine Angestellten, die auf ihr Monatsgehalt angewiesen sind. Damit bleibt uns viel von dem Stress erspart, den „echte“ Startups haben. Trotzdem sind die Lektionen, die wir bisher gelernt haben, es definitiv wert, geteilt zu werden.

Wenn du über Startups liest, fällt dir eins schnell auf: Die Lektionen, die sie predigen, widersprechen sich oft komplett. Das liegt daran, dass jedes Startup und sein Umfeld einzigartig sind. Es liegt an dir als Gründer deines eigenen Startups herauszufinden, welche Lektionen auf deine ganz eigene Situation passen.

Los geht’s mit den Lektionen!

Lass dich nicht entmutigen, wenn es deine Idee schon gibt

Wenn du den ersten Schock überwunden hast, dass jemand anderes deine Idee schon hatte, fängst du an zu überlegen, wie du es besser machen könntest. Schau dir die Produkte deiner Konkurrenz genau an und finde heraus, wo ihre Stärken und Schwächen liegen.

Wir waren da ehrlich gesagt etwas nachlässig und haben die meisten unserer Konkurrenten erst entdeckt, als wir schon losgelegt hatten. Ich bin mir fast sicher, dass es Kittysplit nie gegeben hätte, wenn wir von Anfang an gewusst hätten, wie viele Apps und Tools zum Kostenteilen es schon gibt (hier ist eine Liste). Am Ende haben wir eben noch ein Tool ins Getümmel geschickt, aber eins, das in manchen Punkten ein bisschen besser ist (finden wir zumindest).

Was du daraus mitnehmen kannst: Konzentrier dich auf ein paar zentrale Dinge, die du auf jeden Fall besser kannst als deine Konkurrenz, dann hast du gute Chancen. Und noch ein Bonustipp: Wenn dein Produkt in einem wichtigen Punkt einfacher ist, hast du schon einen großen Schritt geschafft.

Fang so spät wie möglich an, Geld zu verbrennen

In dem Moment, in dem du anfängst, Geld zu verbrennen (also dir ein Gehalt zahlst, Leute anstellst oder andere Fixkosten hast), beginnt die Uhr zu ticken. Wenn sie bei null angekommen ist, ist entweder das Geld weg und dein Startup stirbt, oder du verdienst genug, um abzuheben. Nicht umsonst nennt man das im Englischen „Runway“, also die Startbahn.

Klar, manche Startups brauchen schon zum Starten eine Investition. Es kann auch sein, dass dir Leute raten, dass du ohne vollen Einsatz („all-in“) gar keine Chance hast.

Wir haben aber eine andere Erfahrung gemacht: Weil wir ein Mikro-Startup sind, haben wir eine sehr lange Startbahn. Dadurch können wir lernen, auf das Feedback unserer Nutzer hören und unser Produkt verbessern. Je länger du damit wartest, Geld zu verbrennen, desto länger überlebst du, und desto besser wird dein Produkt dadurch. Womit wir beim nächsten Punkt wären:

Es ist okay, ein mieses Produkt zu launchen

Als wir Kittysplit gestartet haben, sah es ganz okay aus, war aber ziemlich wackelig. Der Ablauf war seltsam, es hatte jede Menge Macken und funktionierte auf dem Handy überhaupt nicht. Die Leute haben es trotzdem benutzt und uns Feedback gegeben, auf das wir sofort reagieren konnten. Das war entscheidend, um unser Produkt besser zu machen.

Das ist ein MVP

Kurz nach dem Start haben wir außerdem in unseren Logs entdeckt, dass eine unserer Schwägerinnen ein Kitty für einen Junggesellinnenabschied angelegt hatte. Sie und einige ihrer Freundinnen hatten unser halbfertiges Produkt genau so benutzt, wie wir es uns vorgestellt hatten, und zwar ganz ohne Hilfe. Das war ein großartiger Moment: Wir wussten, dass die Grundlagen stimmten. Anders gesagt: Unsere Kernannahme hatte sich bestätigt. Von da an haben wir auf unsere Nutzer gehört und die Funktionen gebaut, die sie sich gewünscht haben. So baust du genau die Dinge, die wichtig sind, und verzettelst dich nicht.

Natürlich ist nichts davon neu. Die Lean-Startup-Bewegung hat sich damit ausführlich beschäftigt. Toll war, am eigenen Leib zu erleben, dass es tatsächlich funktioniert.

Klärt, wer was macht und wie viel davon. Und schreibt es auf

Das ist besonders wichtig, wenn ihr erst mal nebenberuflich startet. Denn Folgendes wird passieren: Am Anfang seid du und dein Team voller Elan und Tatendrang. Ihr seid begeistert von der neuen Marktchance, die ihr entdeckt habt, und davon, wie ihr in den nächsten Monaten so richtig durchstarten werdet.

Dann holt euch die Realität ein. Dinge dauern länger oder klappen nicht. Es gibt Enttäuschungen. Und langsam verlieren einige im Team das Interesse. Vielleicht haben sie andere Prioritäten, einen schwierigen Kunden oder Stress im Job. Sie machen weniger und haben weniger Zeit. Es staut sich Groll an, und dann kann es sehr schnell hässlich werden.

Um das zu vermeiden oder zumindest abzumildern, redet gleich zu Beginn offen miteinander. Legt fest, wer wofür verantwortlich ist und, ganz wichtig, woran sich sein Erfolg messen lässt. Erfolg kann hier zeitbasiert oder zielbasiert sein. Schreibt das dann auf und schickt es an alle. Für die schwierigen Gespräche, die später kommen werden, ist das eine hilfreiche Grundlage.

Lerne programmieren

Programmieren kann jeder lernen. Wirklich! Es gibt jeden Tag mehr Tools, Kurse und interaktive Plattformen, mit denen du dir das Programmieren selbst beibringen kannst. Das heißt nicht, dass jeder ein Java-Backend-Modul schreiben oder eine CSS-Animation mit hüpfenden Bällen bauen kann. Aber jeder kann lernen, wie man GitHub benutzt und ein paar Änderungen an einer HTML- oder Ressourcendatei macht. Schon damit kannst du Texte auf deiner Website ändern, an einer Landingpage feilen oder einen Button verschieben.

Wenn du es ernst meinst mit deinem Startup, gibt es keine Ausrede dafür, keine einfachen Änderungen am Code machen zu können. Du wirst sofort effektiver im Team, bist weniger von anderen abhängig und kriegst einfach mehr Kram erledigt. Und es ist auch noch ein unglaublich spaßiges und erfüllendes Abenteuer.

Zum Schluss

Was uns überrascht hat: Obwohl wir nur ein Mikro-Startup sind, decken sich unsere Erfahrungen mit einer ganzen Reihe der Gründe, die CB Insights dafür gefunden hat, warum Startups scheitern. Mehr dazu kannst du hier lesen.

Gründe, warum Unternehmen scheitern

Das war’s erst mal. Wir haben noch viel mehr gelernt, zum Beispiel SEO-Grundlagen und die Vor- und Nachteile einer eigenen App, aber diesen Themen widmen wir eigene Blogbeiträge. Wenn wir hier zu irgendwas mehr erzählen sollen, sag einfach Bescheid!